Konzert „Eleison“ – Frühjahr 2025


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Vokalensembles Josquin des Prés!

Oculi mei semper ad Dominum quia ipse educet de rete pedes meos.
Respice in me et miserere mei quoniam solus et pauper sum ego.

Meine Augen sehen stets zu dem Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen.
Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend.

Der Vers 15 aus Psalm 25 stand Pate für den dritten Passionssonntag OCULI und ihm widmen wir unser diesjähriges Passionskonzert unter dem Titel „eleison” – erbarme dich.

Der vorchristliche Huldigungsruf für Götter und Herrscher „Kyrie eleison” wurde im frühen Christentum zu einer Hohheitsbezeichnung für Jesus, den Sohn Gottes. Er trägt somit nicht nur einen rein flehentlichen, sondern auch einen ehrerbietenden Charakter, ist also Seufzer und Lob in einem.

Das griechische Kyrie eleison entspricht zudem dem hebräischen Hosianna (hilf doch), dem Ruf, mit dem Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem am Palmsonntag empfangen wurde.

Um Erbarmen soll es also gehen, um Barmherzigkeit und Mitgefühl, um „ein Auge auf den anderen haben”. Der hebräische Begriff für „erbarmen” lautet „racham” und ist wurzelverwandt mit „rächäm”, das wiederum „Mutterschoß” bedeutet. Im Ursprung schwingt somit auch das Gefühl und die Empfindung der werdenden Mutter zum heranwachsenden Leben in ihrem Schoß mit. Und im lateinischen „Misericordia” (Erbarmen) begegnen wir den Wortteilen „miser-cordia”, ein Herz für Elende/Schwache haben.

Für den Anruf Respice in me (Wende dich zu mir) wurden wir bei Andrea Rota (1553-1597) fündig. Es wurde veröffentlicht in seinem 1595 erschienenen Motectorum Liber secundus und schöpft in seiner erhabenen Zehnstimmigkeit klanglich aus dem Vollen.

Nur halb so viele Stimmen benötigt Jacques Arcadelt (1507-1568) in seinem Kyrie (aus der Missa Ave Regina Caelorum) und schafft dennoch durch perfekte Beherrschung der polyphonen Technik einen sehr dichten und eleganten Tonsatz. Beide Renaissancekünstler wirkten u.a in Rom, wobei Arcadelt in seiner Anstellung in der Capella Sistina von seinem erheblich bekannteren Kollegen Palestrina abgelöst wurde.

Rund 400 Jahre später entscheidet sich auch Heinrich Kaminski (1886-1946) zu einer Vertonung von Messteilen. Das Kyrie aus Messe deutsch konfrontiert uns mit dem düsteren zeithistorischen Kontext seiner Entstehung, der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933. Zu hören ist eine sehr individuelle Ausdeutung des Kyrie-Textes und ein ungemein packender, aber auch vertrackter Kompositionsstil, den man so vielleicht gar nicht bei Kaminski erwartet hätte. Rhythmische Notation und unerwartete chromatische Wendungen tragen dem Untertitel „O wirre Welt” kongenial Rechnung. Hat man die kompositorischen Wirrnisse überwunden, wartet eine sanfte und tröstliche Wendung zum finalen Kyrie eleison.

Die Responsorien (Wechselgesänge) der Karwoche wurden von den unterschiedlichsten Komponisten, v. a. auch im 16. Jhd. verarbeitet. Bekannt sind die Versionen von Giovanni Pierluigi da Palestrina, Orlando di Lasso, Carlo Gesualdo und Tomás Luis da Victoria. Ein Stipendium führte den Spanier Victoria (1548-1611) ebenfalls nach Rom, wo er als Leiter der Kapelle des Collegium Germanicum Nachfolger von – Palestrina wurde.

Aus seinen 18 Tenebrae Responsorien (für die verschiedenen Gebetszeiten an Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag) wählen wir nicht zufällig das O vos omnes, das Tenebrae factae sunt und das Caligaverunt oculi mei. Genau auf diese drei Vorbilder bezieht sich Lorenzo Donati (*1972) in seinem Werk Tenebrae. Die Durchdringung Alter und Neuer Musik, eines der Leitmotive unserer Programmkonzeptionen, wird in dieser Komposition besonders deutlich.

„Dunkel sind meine Augen von meinem Weinen; denn entfernt ist von mir, der mich getröstet hat”.

Eine sinnfällige Ergänzung und Abrundung erfährt unser Programm durch die zeitgenössische Version des Miserere von James MacMillan (*1959). Auch der Schotte nutzt in diesem Werk eine spannende Verflechtung alter und moderner Stilmittel. Eher eingängige, elegische Passagen bricht er durch expressive Sopran-Soli auf, energischen Akklamationen folgen meditative Abschnitte in Form einer klassischen Litanei, so unter anderem im Vers: „Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!”

Nach 12 Minuten mündet der Psalm in einer homophonen und hymnischen Schlussformel und entlässt uns mit Blick auf den Blick von oben und zum Gegenüber.

Wir laden Sie herzlich ein zu unseren Passionskonzerten am
Samstag, den 22.03.2025 um 19.30 in der Herz Jesu Kirche Erlangen oder am
Sonntag, den 23.03.2025 um 16.00 in St. Klara Nürnberg.

Für das Vokalensemble Josquin des Prés
Raimund Schuler

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